Du willst weniger tanken oder mit deinem Elektroauto weiter kommen? Dann lohnt sich ein Blick auf den Rollwiderstand deiner Reifen. Er ist der grösste Hebel, mit dem der Reifen Verbrauch und Reichweite beeinflusst – bei Verbrennern wie bei E-Autos.
Was ist Rollwiderstand?
Beim Abrollen verformt sich der Reifen ständig: Die Lauffläche wird in der Aufstandsfläche zusammengedrückt und federt danach wieder zurück. Diese Walkarbeit erzeugt Wärme – und diese Energie fehlt dem Antrieb. Das ist der Rollwiderstand.
Je nach Fahrprofil geht ein beträchtlicher Teil der Antriebsenergie auf den Rollwiderstand der Reifen; oft genannt werden 20–30 %. Im Stadt- und Überlandverkehr ist der Anteil höher, auf der Autobahn gewinnt der Luftwiderstand an Gewicht.

Rollwiderstand auf der Reifenetikette
Auf der Reifenetikette steht der Rollwiderstand als Energieeffizienzklasse A bis E (seit Mai 2021, vorher A bis G):
- A – niedrigster Rollwiderstand, beste Klasse
- B – sehr gut
- C – Durchschnitt
- D und E – höherer Verbrauch
Als Richtwert entspricht eine Klassenstufe rund 0,1 l Treibstoff pro 100 km. Wer viel fährt, spart mit einem Reifen der Klasse A gegenüber C oder D über die Lebensdauer eines Satzes spürbar Treibstoff oder Strom.

Was den Rollwiderstand beeinflusst
- Luftdruck – der wichtigste Faktor, den du selbst in der Hand hast. Schon wenige Zehntel bar zu wenig erhöhen Rollwiderstand, Verbrauch und Verschleiss. Richtig ist der Wert des Fahrzeugherstellers, bei voller Beladung der entsprechend höhere.
- Gummimischung und Aufbau – moderne Mischungen mit Silica und leichte, steife Karkassen senken die Walkarbeit.
- Profil und Breite – breite Reifen und grobe Profile (z. B. Winter- und Geländereifen) rollen meist schwerer.
- Temperatur – kalte Reifen haben einen höheren Rollwiderstand; im Winter steigt der Verbrauch auch deshalb.
- Achsgeometrie – eine verstellte Spur lässt die Reifen leicht schräg über die Strasse radieren. Eine Lenkgeometrie-Prüfung hilft.
Mehr Reichweite: Rollwiderstand beim Elektroauto
Beim Elektroauto fällt der Rollwiderstand stärker ins Gewicht, weil der Antrieb sehr effizient arbeitet und kaum andere grosse Verluste hat. Dazu kommen das hohe Fahrzeuggewicht und das hohe Drehmoment, die Reifen stärker belasten.
- Zwischen einzelnen Reifenmodellen derselben Grösse sind Unterschiede von einigen Prozent Reichweite realistisch. Wie viel es bei deinem Auto ausmacht, hängt von Fahrzeug, Tempo, Temperatur und Fahrweise ab.
- Spezielle Elektroauto-Reifen verbinden niedrigen Rollwiderstand mit hoher Traglast (oft mit der Kennung XL oder HL), geringem Rollgeräusch und einer abriebfesten Mischung. Bekannte Linien sind etwa Michelin e.Primacy, Pirelli mit Elect-Kennung, Hankook iON oder Goodyear ElectricDrive.
- Ein EV-Reifen ist nicht zwingend, aber sinnvoll: Wichtig sind vor allem die passende Tragfähigkeit und ein guter Label-Wert bei Rollwiderstand und Nasshaftung.
- Auch Winterreifen gibt es mit gutem Rollwiderstand. Der Reichweitenverlust im Winter kommt aber vor allem von Kälte, Heizung und Batterie – nicht nur vom Reifen.

Rollwiderstand und Sicherheit: der Zielkonflikt
Ein sehr niedriger Rollwiderstand und eine sehr hohe Nasshaftung ziehen technisch in verschiedene Richtungen. Moderne Reifen erreichen oft beides auf gutem Niveau, trotzdem gilt: Spare nie bei der Nasshaftung. Ein Reifen mit A beim Rollwiderstand und C bei der Nasshaftung ist für Schweizer Regenwetter meist die schlechtere Wahl als einer mit B/A.
So senkst du den Rollwiderstand
- Luftdruck prüfen – mindestens monatlich und vor langen Fahrten, kalt gemessen.
- Beim Kauf auf das Label achten – Rollwiderstand A oder B, Nasshaftung A oder B.
- Reifen rotieren und auswuchten – gleichmässiger Verschleiss erhält die guten Eigenschaften länger.
- Achse vermessen, wenn die Reifen einseitig abfahren.
- Vorausschauend fahren – sanftes Beschleunigen spart zusätzlich und schont die Reifen.
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Häufige Fragen
Als Richtwert rund 0,1 l pro 100 km je Klassenstufe auf dem Label. Beim Elektroauto zeigt sich das als einige Prozent mehr Reichweite. Voraussetzung ist der richtige Luftdruck.
Nicht zwingend. Der Reifen muss aber die nötige Tragfähigkeit haben und sollte bei Rollwiderstand und Nasshaftung gut abschneiden. EV-Reifen erfüllen das meist und sind zusätzlich auf wenig Geräusch ausgelegt.
Etwas mehr Druck senkt den Rollwiderstand leicht, verschlechtert aber Haftung, Komfort und Verschleissbild. Halte dich an die Werte des Fahrzeugherstellers, bei voller Beladung an den höheren Wert.
Meist ja, wegen der weicheren Mischung und des gröberen Profils. Es gibt aber auch Winterreifen mit Klasse B oder C.




