Reifentechnik

Nachhaltige Reifen – Material, EUDR und Runderneuerung

Nachhaltige Reifen setzen auf recycelte und erneuerbare Materialien, niedrigen Rollwiderstand, wenig Abrieb und eine lange Laufleistung. Die EU-Entwaldungsverordnung EUDR verlangt zudem den Nachweis, dass der Naturkautschuk nicht von gerodeten Flächen stammt.

Stand September 2026Lesezeit 4 Min.

Recycling und Kreislauf beim Reifen
Recycling und Kreislauf beim Reifen

Lange spielte der ökologische Fussabdruck beim Reifenkauf kaum eine Rolle. Das ändert sich: Hersteller ersetzen fossile Rohstoffe, die EU verlangt Nachweise für entwaldungsfreien Kautschuk, und Reifenabrieb wird als Quelle von Mikroplastik und Feinstaub reguliert. Hier erfährst du, was einen Reifen wirklich nachhaltig macht und worauf du beim Kauf achten kannst.

Was einen Reifen nachhaltig macht

Nachhaltigkeit ist beim Reifen keine Frage eines einzelnen Merkmals, sondern des ganzen Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis zur Entsorgung:

  • Hoher Anteil recycelter Materialien – etwa Gummi aus Altreifen, Russ aus Altreifenpyrolyse oder recycelter Stahl.
  • Erneuerbare Rohstoffe – zum Beispiel Rizinusöl, Harze aus Reststoffen oder Silica aus Reishülsenasche.
  • Niedriger Rollwiderstand – weniger Verbrauch über die gesamte Laufzeit.
  • Geringer Abrieb – weniger Feinstaub und Mikroplastik. Mit der Abgasnorm Euro 7 sollen erstmals Grenzwerte für den Reifenabrieb kommen.
  • Lange Laufleistung – ein Satz, der länger hält, ersetzt einen zweiten Satz.
  • Gute Verwertbarkeit am Ende – Runderneuerung oder stoffliches Recycling.

Den grössten Teil der Umweltwirkung verursacht ein Reifen während der Nutzung, vor allem über den Rollwiderstand. Deshalb gehören energieeffiziente Reifen und Nachhaltigkeit zusammen.

Woraus nachhaltige Reifen heute bestehen

Hersteller ersetzen erdölbasierte Rohstoffe schrittweise – etwa durch Polyester aus recycelten PET-Flaschen in der Karkasse, Silica aus Reishülsenasche, Gummi aus Altreifen oder Kautschuk aus Löwenzahn. Continental gibt für den UltraContact NXT bis zu 65 % erneuerbare oder recycelte Materialien an und will bis 2030 über 40 %, bis 2050 vollständig auf solche Materialien umstellen. Auch andere grosse Hersteller verfolgen ähnliche Ziele.

Achte bei solchen Angaben darauf, worauf sie sich beziehen: auf ein einzelnes Modell oder das ganze Sortiment, auf tatsächlich eingesetzte Materialien oder auf eine rechnerische Zuordnung (Massenbilanz).

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EUDR: Entwaldungsfreier Naturkautschuk

Die EU-Entwaldungsverordnung (EU Deforestation Regulation, EUDR) betrifft eine Reihe von Rohstoffen – für die Reifenbranche entscheidend ist Naturkautschuk. Hersteller und Importeure müssen belegen, dass der verwendete Kautschuk nicht von Flächen stammt, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden. Der Nachweis läuft über Sorgfaltserklärungen (Due Diligence Statements) samt Geodaten der Anbauflächen.

Nach mehreren Verschiebungen soll die EUDR ab dem 30. Dezember 2026 für grosse Unternehmen gelten, für kleinere mit einer späteren Frist.

In der Schweiz gilt die EUDR nicht direkt. Praktisch wirkt sie trotzdem: Die meisten hier verkauften Reifen stammen von EU-Herstellern oder laufen über EU-Lieferketten, und wer in die EU exportiert, braucht die Nachweise ohnehin.

Runderneuerte Reifen

Bei der Runderneuerung bekommt eine einwandfreie Karkasse eine neue Lauffläche. Das spart einen grossen Teil der Rohstoffe eines Neureifens. Bei Lkw- und Busreifen ist das seit Langem üblich, bei Personenwagen ist das Angebot kleiner geworden. Runderneuerte Reifen tragen keine Reifenetikette. Falls du dich dafür interessierst, suchen wir gerne ein passendes Produkt für dich – frag uns an.

Orientierung beim Kauf

Verlässlicher als Werbeversprechen ist die Reifenetikette: Rollwiderstand und Nasshaftung in Klassen von A bis E, dazu das Rollgeräusch in Dezibel.

Worauf achtenWarum es zählt
Rollwiderstandsklasse A oder BGrösster Hebel für Verbrauch und CO2 über die Laufzeit
Nasshaftung A oder BNachhaltig heisst nicht weniger sicher – hier keine Abstriche machen
Angaben zum RecyclinganteilNachvollziehbare Prozentzahl statt allgemeiner Umweltversprechen
Herkunft und ProduktionsortKurze Transportwege, dokumentierte Lieferkette
LaufleistungEin Satz, der länger hält, ersetzt einen zweiten Satz

Nachhaltig fahren, nicht nur nachhaltig kaufen

Der grösste Beitrag kostet nichts: korrekter Luftdruck, regelmässige Kontrolle und rechtzeitige Achsvermessung. Zu niedriger Druck erhöht Verbrauch und Abrieb gleichzeitig. Wer die Reifen rotiert und sanft fährt, verlängert die Laufleistung zusätzlich. Beim Elektroauto kommt der Rollwiderstand als Reichweitenfaktor dazu – mehr unter Rollwiderstand und Reifenverschleiss beim Elektroauto reduzieren.

Am Ende der Nutzung gehört der Reifen in den geregelten Kreislauf. Wie das in der Schweiz abläuft und was es kostet, steht unter Reifenentsorgung.

Häufige Fragen

Nach aktuellem Stand ab dem 30. Dezember 2026 für grosse Unternehmen, für kleine Unternehmen später. Die EU hat die Fristen bereits mehrfach verschoben.

Nicht direkt. Über EU-Hersteller, Importeure und den Export in die EU wirkt sie sich hier trotzdem auf das Angebot aus.

In der Anschaffung liegen sie oft etwas höher. Ein niedriger Rollwiderstand und eine lange Laufleistung gleichen das über die Nutzungsdauer teilweise oder ganz aus.

Nein. Achte auf die Nasshaftungsklasse – sie ist auf der Etikette unabhängig vom Materialanteil ausgewiesen.

Für Lkw und Busse sind sie Standard. Bei Personenwagen ist die Auswahl klein; wir beraten dich, ob es für deine Grösse ein passendes Produkt gibt.

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