Reifentechnik

Abrollgeräusch und Rollgeräusch – Reifen-Dezibel erklärt

Das Abrollgeräusch (Rollgeräusch) ist der Lärm, den Reifen auf der Fahrbahn erzeugen. Auf der Reifenetikette steht es in Dezibel (dB) mit den Klassen A bis C; Profil, Gummimischung, Luftdruck und Verschleiss bestimmen, wie laut ein Reifen rollt.

Stand September 2026Lesezeit 5 Min.

Bei höherem Tempo oder auf der Autobahn wird es plötzlich laut im Auto? Das ist meist das Abrollgeräusch, auch Rollgeräusch genannt. Es entsteht, wenn die Lauffläche der Reifen auf die Fahrbahn trifft: Die Profilblöcke schlagen auf, Luft wird in den Rillen zusammengepresst und entweicht, der Reifen gerät in Schwingung. Ab etwa 30–50 km/h übertönt dieses Geräusch bei den meisten Personenwagen den Antrieb – im Elektroauto hörst du es noch deutlicher, weil der Motor fast lautlos ist.

Warum Reifen laut werden: die häufigsten Ursachen

  • Profilgestaltung: Grobe, offene Blöcke – typisch für Winterreifen, SUV- und Geländereifen – erzeugen mehr Geräusch als feingliedrige Sommerprofile.
  • Sägezahnbildung: Die Profilblöcke nutzen sich schräg ab, vor allem an den Hinterreifen von Fronttrieblern. Das führt zu Vibrationen und einem lauten Brummen – eine der häufigsten Ursachen für «plötzlich laute» Reifen.
  • Falscher Luftdruck: Zu wenig Luft vergrössert die Aufstandsfläche und lässt den Reifen stärker walken, zu viel Druck macht das Abrollen hart und den Verschleiss ungleichmässig.
  • Verschleiss und Alter: Ungleichmässig abgefahrene Reifen und alte, verhärtete Gummimischungen vibrieren stärker. Mehr dazu unter Pneuverschleiss und Reifenalter.
  • Fahrzeug: Eine falsche Achsgeometrie, unwuchtige Räder oder defekte Radlager klingen oft wie ein lauter Reifen.
  • Strassenbelag: Grober oder neuer Belag verstärkt das Rollgeräusch, lärmarme Beläge dämpfen es.
Sägezahn Bildung Reifen Profil
Sägezahn Bildung Reifen Profil
Sägezahn Reifen Abrollgeräusch
Sägezahn Reifen Abrollgeräusch

Auch die anderen Label-Werte hängen mit dem Geräusch zusammen: Reifen mit sehr hoher Nasshaftung sind nicht immer die leisesten, und ein niedriger Rollwiderstand geht nicht automatisch mit einem leisen Reifen einher. Der gute Reifen findet den Kompromiss.

Reifen Dezibel: So liest du das Rollgeräusch auf der Reifenetikette

Auf der Reifenetikette steht das externe Rollgeräusch – also der Lärm, den der Reifen nach aussen abgibt. Gemessen wird es bei einer Vorbeifahrt mit 80 km/h. Du siehst zwei Angaben:

  • den genauen Wert in Dezibel (dB), zum Beispiel «71 dB»,
  • eine Klasse A, B oder C, dargestellt mit einer bis drei Schallwellen.
KlasseSymbolBedeutung
Aeine Schallwellemindestens 3 dB unter dem Grenzwert – leiseste Klasse
Bzwei Schallwellenerfüllt den Grenzwert oder liegt bis 3 dB darunter
Cdrei Schallwellenüber dem massgebenden Grenzwert – lauteste Klasse

Auf dem älteren Label vor Mai 2021 gab es nur die Schallwellen ohne Buchstaben; die Bedeutung ist vergleichbar.

Dezibel Reifenetikette Abrollgeräusch
Dezibel Reifenetikette Abrollgeräusch

Wie gross ist ein Unterschied von 3 dB?

Dezibel sind eine logarithmische Grösse. 3 dB mehr bedeuten die doppelte Schallenergie – etwa so, als würden doppelt so viele gleich laute Autos vorbeifahren. Als «doppelt so laut» empfindet das Ohr erst ein Plus von rund 10 dB. Trotzdem ist der Unterschied zwischen einem Reifen mit 68 dB und einem mit 72 dB auf längeren Autobahnfahrten gut hörbar.

Wichtig: Der Label-Wert beschreibt den Lärm ausserhalb des Autos. Wie laut es im Innenraum ist, hängt zusätzlich von Fahrzeug, Dämmung und Reifenaufbau ab.

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Leise Reifen: Schaumstoff und EV-Reifen

Viele Hersteller bieten Reifen mit einer Schaumstoffschicht aus Polyurethan auf der Innenseite an. Sie dämpft das Dröhnen im Reifenhohlraum, das sich in den Innenraum überträgt. Bezeichnungen sind etwa ContiSilent (Continental), PNCS (Pirelli), SoundComfort (Goodyear), Acoustic (Michelin), B-Silent (Bridgestone) oder Sound Absorber (Hankook). Der Effekt ist im Auto hörbar, auf dem Label-Wert dagegen kaum, weil dort aussen gemessen wird.

Für Elektroautos lohnt sich ein Blick auf Elektroauto-Reifen: Sie sind auf geringes Geräusch, hohe Traglast und niedrigen Rollwiderstand ausgelegt.

Pirelli Silent Tire

So reduzierst du das Abrollgeräusch

  1. Luftdruck regelmässig prüfen – etwa monatlich, kalt gemessen, nach Herstellerangabe (Tankdeckel, Türholm oder Bedienungsanleitung).
  2. Reifen rotieren – je nach Fahrzeug etwa alle 8'000–10'000 km; das beugt Sägezahn und einseitigem Verschleiss vor.
  3. Räder auswuchten und Achse vermessen lassen, wenn du Vibrationen spürst oder der Verschleiss ungleichmässig ist.
  4. Beim Neukauf auf den dB-Wert achten – Klasse A oder ein niedriger dB-Wert innerhalb der gewünschten Reifenkategorie.
  5. Reifen richtig lagern – im Reifenhotel bleiben sie kühl, dunkel und vor Verformung geschützt.

Rollgeräusch und Gesetz in der Schweiz

Für dich als Fahrer gibt es keine eigene Rollgeräusch-Grenze wie bei der Mindestprofiltiefe. Grenzwerte für das Rollgeräusch gelten für die Reifen selbst, wenn sie genehmigt werden. Wer allerdings mit Sägezahn oder stark beschädigten Reifen unterwegs ist, fällt bei der Motorfahrzeugkontrolle eher wegen des Reifenzustands als wegen des Geräuschs auf.

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Häufige Fragen

Bei Personenwagenreifen liegen die Label-Werte meist zwischen etwa 67 und 74 dB. Entscheidend ist der Vergleich innerhalb derselben Dimension: Breitere Reifen haben höhere Grenzwerte und meist auch höhere Messwerte.

Häufig stecken Sägezahnbildung, falscher Luftdruck oder eine verstellte Spur dahinter. Auch ein Radlagerschaden klingt ähnlich. Lass das prüfen, bevor du neue Reifen kaufst.

Oft ja, weil das Profil gröber ist und mehr Lamellen hat. Moderne Winter- und Ganzjahresreifen sind aber deutlich leiser als ältere Modelle.

Im Innenraum ja, vor allem gegen das tiefe Dröhnen auf rauem Belag. Der Label-Wert ändert sich dadurch kaum.

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Geräuschklassen auf der Reifenetikette

Eine Schallwelle – Klasse A

Leiser Reifen: mindestens 3 dB unter dem Grenzwert

Zwei Schallwellen – Klasse B

Erfüllt den Grenzwert oder liegt bis 3 dB darunter

Drei Schallwellen – Klasse C

Lauteste Klasse: liegt über dem massgebenden Grenzwert

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